CapitalPath Impuls

Wer sich lange bindet

Warum die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung länger trägt als fast jeder andere Vertrag und was das Bundesgesundheitsministerium zur Rückkehr in die GKV sagt. Ein Impuls mit belegtem Zitat aus Schillers Lied von der Glocke.

Nilesh Kulkarni · CapitalPath

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Abstrakte Illustration: eine Glocke über einer langen Zeitachse mit Jahresmarken, am Anfang ein Blatt mit Unterschriftslinie.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, / Ob sich das Herz zum Herzen findet!

Friedrich SchillerQuelle → (öffnet in neuem Tab)

Der Gedanke

Schillers „Lied von der Glocke“ erzählt vom Guss einer Kirchenglocke und dabei, Strophe für Strophe, von einem ganzen Menschenleben. Als der Meister das glühende Metall prüft, ob sich Sprödes und Weiches gut verbinden, wendet Schiller den Gedanken auf die Ehe: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, / Ob sich das Herz zum Herzen findet!“ Die nächste Zeile schiebt er gleich hinterher: „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“ Über Versicherungen hat Schiller nie geschrieben. Trotzdem passt der Satz auf kaum eine Finanzentscheidung so gut wie auf die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.

Wer als Angestellter mit dem Gehalt über die Versicherungspflichtgrenze steigt oder sich selbstständig macht, kann sich privat versichern. Das Bundesgesundheitsministerium beschreibt die Lage nüchtern: Freiwillig gesetzlich Versicherte können jederzeit in die private Krankenversicherung wechseln, die spätere Rückkehr ist in der Regel nicht möglich. Zurück geht es meist nur, wenn sich das Leben so ändert, dass wieder Versicherungspflicht entsteht. Ab 55 ist auch dieser Weg weitgehend verschlossen. Nach § 6 Abs. 3a SGB V bleibt dann versicherungsfrei, wer in den fünf Jahren davor nicht gesetzlich versichert war und mindestens die Hälfte dieser Zeit etwa versicherungsfrei oder hauptberuflich selbstständig war.

Das macht die private Krankenversicherung nicht zur schlechten Wahl. Für viele passt sie gut, und man sucht sich ihre Leistungen bewusst aus. Es bedeutet aber, dass diese Entscheidung länger trägt als fast jeder andere Vertrag im Haushalt. In Mein Ansatz kommt deshalb das Verstehen vor dem Abschließen: erst grob klären, welches Leben die nächsten zwanzig oder dreißig Jahre bringen könnten, dann über den Tarif reden. Was dabei im Einzelnen zu bedenken ist, steht auf der Seite zur privaten Krankenversicherung.

Eine fiktive Geschichte

Die Personen und der Ablauf sind frei erfunden.

Deniz ist 34 und arbeitet als Produktdesigner bei einem Medizintechnik-Hersteller in Tuttlingen. Seit der Beförderung im Frühjahr liegt sein Gehalt zum ersten Mal über der Grenze, und sein Kollege Ben, seit Jahren privat versichert, hat ihm in der Kantine schon zweimal vorgerechnet, wie viel er im Monat sparen könnte. Am Dienstag liegt ein Angebot in seinem Postfach. Der Beitrag ist niedriger als das, was er gerade an die Krankenkasse zahlt, und Ben meint, so etwas erledige man in der Mittagspause.

Abends liest Deniz das Angebot am Küchentisch, und seine Freundin Lea schaut ihm über die Schulter. Über den Beitrag reden sie kaum. Lea will wissen, was eigentlich passiert, wenn sie in ein paar Jahren Kinder haben und einer von beiden weniger arbeitet. Deniz weiß es nicht. Er weiß auch nicht, was wäre, wenn er sich irgendwann selbstständig macht, wovon er manchmal spricht, oder wie der Beitrag aussieht, wenn er sechzig ist. Also schreibt er die Fragen auf einen Zettel und klebt ihn an den Kühlschrank, und das Angebot wandert erst einmal in den Ordner.

Am Sonntag sind die beiden bei seinen Eltern zum Essen. Sein Vater Erol hat fast dreißig Jahre lang eine eigene Schreinerei geführt und war die ganze Zeit privat versichert. Deniz rechnet fest damit, dass er ihm zum Wechsel rät. „Ich bin zufrieden damit“, sagt Erol und schenkt Wasser nach. „Aber ich habe damals zwei Monate darüber nachgedacht und mit deiner Mutter jeden Fall durchgespielt, der uns eingefallen ist. Wie lange denkst du schon darüber nach?“ Deniz zögert kurz. „Seit Dienstag.“ Sein Vater lacht und reicht ihm die Schüssel. „Dann hast du ja noch ein bisschen Zeit.“

Was das bedeutet

  1. 01

    Laut Bundesgesundheitsministerium können freiwillig gesetzlich Versicherte jederzeit in die private Krankenversicherung wechseln. Zurück geht es in der Regel nur, wenn wieder Versicherungspflicht entsteht.

  2. 02

    Ab 55 ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung meist ausgeschlossen, wenn man in den fünf Jahren davor nicht gesetzlich versichert war und die weiteren Voraussetzungen aus § 6 Abs. 3a SGB V vorliegen.

  3. 03

    Der Monatsbeitrag von heute sagt wenig darüber, ob ein Vertrag in zwanzig Jahren noch zum eigenen Leben passt. Hilfreicher sind Fragen nach Familie, Teilzeit, Selbstständigkeit und Ruhestand.

  4. 04

    Eine Entscheidung, die so lange trägt, verdient mehr Zeit als eine Mittagspause. Wer die eigenen Fragen vorher aufschreibt, holt aus jedem Beratungsgespräch mehr heraus.

Weiterdenken

Quellen und weiteres Lesen

Hinweis zur Erstellung

Dieser Inhalt kann mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt sein.

Kurz zur Einordnung

Dies ist allgemeine Information und Orientierung, keine individuelle Beratung.

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