CapitalPath Impuls
Der Feind des Guten
Warum die Suche nach dem perfekten Vorsorgevertrag den Anfang oft verhindert und wo sich das Streben nach Besserem wirklich lohnt. Ein Impuls mit belegtem Zitat von Voltaire und einer frei erfundenen Geschichte.
Nilesh Kulkarni · CapitalPath
Le mieux est l’ennemi du bien.
Der Gedanke
1772 veröffentlichte Voltaire ein kurzes Versmärchen mit dem Titel „La Bégueule“. Gleich zu Beginn steht ein Satz, den er ausdrücklich einem „weisen Italiener“ zuschreibt: „Le mieux est l’ennemi du bien.“ Sinngemäß übersetzt: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“ Erzählt wird von Arsène, einer jungen Pariserin mit einem fürsorglichen Ehemann, Freunden und einem angenehmen Leben, die sich trotzdem ständig langweilt. Ihre Patin, eine Fee, bringt sie in einen Palast, in dem es an nichts fehlt. Auch dort ist Arsène unzufrieden. Sie klettert über die Mauer und steht plötzlich allein in einer kargen Wüste, während die Nacht hereinbricht. Am Ende zieht die Fee das Fazit: Nichts sei so gefährlich, wie das Gute zu verlassen, um es besser zu haben.
Spannend ist, was Voltaire direkt nach dem berühmten Satz ergänzt. Nach dem Besseren solle man durchaus streben, nämlich in Klugheit, Güte, Fähigkeiten und Wissen. Überall sonst sei es ein Hirngespinst.
Voltaire sprach von Unzufriedenheit und nicht von Geld, doch seine Grenze lässt sich gut auf die private Vorsorge übertragen. Gründlich zu verstehen, was ein Vertrag leistet, was er kostet und wie flexibel er ist, lohnt sich immer. Den einen perfekten Vertrag gibt es dagegen nicht, weil sich das Leben ändert, für das er gedacht ist. Wer auf ihn wartet, schiebt den Anfang oft Jahr für Jahr hinaus. Deshalb steht in „Mein Ansatz“ das Verstehen am Anfang und das Anpassen am Ende: erst verstehen, dann entscheiden und später in Ruhe nachjustieren.
Eine fiktive Geschichte
Die Personen und der Ablauf sind frei erfunden.
Ines ist 31, arbeitet als Projektleiterin und hat sich vor gut zwei Jahren vorgenommen, endlich mit der privaten Altersvorsorge anzufangen. Seitdem gibt es auf ihrem Laptop eine Tabelle. Anfangs hatte sie drei Spalten, inzwischen sind es neun Angebote, dazu Notizen zu Kosten, Garantien, Fondsauswahl und Steuerfragen. Jeder neue Vergleichsartikel bringt eine weitere Zeile.
Angefangen hat Ines bis heute nicht. Jedes Mal, wenn eine Entscheidung greifbar scheint, taucht noch eine Frage auf, die vorher geklärt werden soll. Die Tabelle ist gründlich, aber aus einer Entscheidung ist ein Dauerprojekt geworden.
An einem Sonntagabend schreibt Ines einen einzigen Satz über die Tabelle: was „gut genug“ für sie heißt. Sie muss den Vertrag erklären können, der Beitrag darf ihre Rücklage nicht angreifen (sie denkt an 50 € im Monat, ein Beispiel und keine Empfehlung), und Pausen oder Anpassungen müssen möglich sein, wenn sich ihr Leben ändert. Dann geht sie die neun Spalten durch. Zwei erfüllen diesen Satz, sieben nicht oder nur mit Fragezeichen. Die sieben verschiebt sie in ein Archiv. Unterschrieben ist an diesem Abend noch nichts, aber aus dem Dauerprojekt ist eine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten geworden.
Was das bedeutet
01
Voltaire unterscheidet selbst: Nach Besserem zu streben lohnt sich beim Wissen und Verstehen, nicht bei der Jagd nach dem einen perfekten Produkt.
02
Auch Warten ist eine Entscheidung. Wer jahrelang vergleicht, hat sich in dieser Zeit faktisch gegen jede Möglichkeit entschieden.
03
„Gut genug“ lässt sich vorher festlegen: verständlich, bezahlbar, ohne die Rücklage anzugreifen, und flexibel genug für ein Leben, das sich ändert. Was diesen Maßstab nicht erfüllt, fällt heraus.
04
Der Anfang muss nicht perfekt sein, weil es einen vierten Schritt gibt: Anpassen. Ein verstandener Plan lässt sich später in Ruhe nachjustieren.
Weiterdenken
Quellen und weiteres Lesen
- La Bégueule, conte moral (1772), in: Œuvres complètes de Voltaire, Bd. 10 (Contes en vers), S. 50–56 (öffnet in neuem Tab)
Garnier, Paris 1877 — Volltext bei Wikisource (fr.wikisource.org) · 1772 (Ausgabe 1877)
Hinweis zur Erstellung
Dieser Inhalt kann mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt sein.
Kurz zur Einordnung
Dies ist allgemeine Information und Orientierung, keine individuelle Beratung.

